Wir vom VSS sind der Meinung, dass jede Stimme zählt und wollen auch Studierende dazu ermutigen, diesen Monat an die Urne zu gehen. Dabei ist uns wichtig, dass die Studierenden der Schweiz wissen, welche Politikerinnen und welche Politiker ihre Anliegen vertreten und wie die künftigen Parlamentarier zu den wichtigsten Bildungsfragen stehen.

Auf unserer Homepage findet ihr jeden Tag Interviews mit Kandidierenden verschiedener Parteien, die uns Rede und Antwort standen und sich zu den politischen Anliegen der Studierenden äussern.

 

Was halten Sie von Klimamassnahmen an Universitäten, wie beispielsweise eingeschränkte Freiheiten beim Fliegen?

Ich finde den Austausch von Personen und Wissen auf Hochschulstufe enorm wichtig. Nicht zuletzt deshalb setze ich mich für Programme wie Horizon 2020 ein. Eine solche Massnahme bringt sehr wenig. Jede und jeder soll selber entscheiden, wie man am besten von A nach B kommt. In Europa kann der Zug eine Alternative sein. Ins Silicon Valley reisen muss möglich sein.

 

Wie soll Ihrer Meinung nach die Politik auf die Forderungen der Klimajugend eingehen?

Es muss endlich über Massnahmen und Innovationen diskutiert werden. Es ist jetzt genug mit dem Finger auf andere gezeigt. Während in der Schweiz der gesamte Produktionsindex verglichen mit 1990 um das 5-fache gestiegen ist, nahm der CO2-Ausstoss in der gleichen Zeitspanne 10% ab und der Energieverbrauch blieb konstant. Noch eindrücklicher ist dieser Befund, wenn man betrachtet, dass die Bevölkerung um 25% und die Wohnfläche um 40% gewachsen sind. Auf diesem Weg kommen wir weiter, wenn wirkungsvolle Massnahmen um gesetzt werden, die ökologisch, ökonomisch und sozial Sinn machen. Ein Systemwechsel hin zu mehr sozialistischen Wirtschaftssystemen, wie es gefordert wird, lehne ich strikte ab.

 

Wie kann das Rahmenabkommen gerettet werden, um die Zusammenarbeit mit der EU im Bereich der Bildung zu gewährleisten?

Erasmus+ und Horizon Europe als Nachfolgeprogramm der EU im Forschungsbereich sind für die Schweiz beide von grossem Interesse. Unsere Teilnahme an diesen Programmen setzt voraus, dass sich die Beziehung Schweiz-EU beruhigt. Weiter ist es wichtig, dass der finanzielle Rahmen solide verhandelt wird. Zudem ist mit Grossbritannien, mit der Schweiz eines der erfolgreichsten Länder im Hochschulbereich, eine Regelung zu finden, dass wir auch gegenseitig voneinander profitieren können.

Soll die Schweiz das nötige Geld bezahlen um Erasmus+ ab 2021 wieder beizutreten?

Das hängt von der Höhe der finanziellen Mittel ab. Wenn diese wesentlich zu hoch ausfallen, ist eine zwischenstaatliche Lösung mit den einzelnen Staaten vielleicht ein Plan B. Der Mehrwert eine Voll-Teilnahme muss klar ersichtlich sein und im Interesse der Studierenden, des Mittelbaus und der Dozierenden sein.

 

 Was halten Sie für eine angemessene Entschädigung für Praktikant*innen?

Praktikumsstellen sind wichtig, um ins Berufsleben einsteigen zu können. Diese müssen aber auf der praktischen Seite einen echten Mehrwert ergeben und nicht einfach zur Gewinnung billiger Arbeitskräfte dienen. Unter diesen Voraussetzungen sind die Entschädigungen nicht zu hoch anzusetzen, da sonst solche Praktikumsplätze verschwinden könnten.

 

Was kann der Staat für günstigen Wohnraum für Studierende machen? Soll er sich überhaupt einmischen?

Wenn eine Hochschule sich engagiert, sehe ich darin kein Problem. Günstiger Wohnraum wird von vielen Gesellschaftsschichten nachgefragt. Ein exklusives Eingreifen für den günstigen Wohnraum für Studierende wäre für mich zu eng gedacht. In der ganzen Diskussion um günstigen Wohnraum sollte man private Investitionen nicht immer mehr hindern, denn wo Wohnangebote geschaffen werden, kann besser die Nachfrage zu vernünftigeren Preisen gedeckt werden.

 

Sollten Geflüchtete in der Schweiz die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Hochschulen haben wie Schweizer*innen?

Die Hochschulen können schon heute sehr individuelle Modelle umsetzen, wie sie Flüchtlinge aufnehmen wollen. Entscheidend sind die Bewertung der Qualifikationen der Leute, die oftmals nur ungenau dokumentiert werden können. Eine Aufnahme an eine Hochschule darf nur erfolgen, wenn die Vorbildung dafür ausreicht. Ein Studium darf kein Grund sein, den Asylstatus in eine definitive Aufnahme umzuwandeln. Asylsuchende sind und bleiben Menschen, welchen die Schweiz vorübergehend Schutz gewährt. Wenn sich diese Situation zum Besseren ändert, ist der Asylstatus zu entziehen und die Menschen in ihre sicheren Heimatländer zurück zu schicken.

 

Sind Sie der Meinung, dass ökonomisch profitable Studiengänge wie beispielsweise Wirtschaft oder Informatik eher vom Staat gefördert werden soll als Musik oder Literaturwissenschaften?

Nein. Diese Studiengänge sind allen offenzuhalten. Die Aussichten auf eine Karriere und die entsprechenden Lohnansätze sind aber nachher nicht dieselben. Bei den Fachhochschulen ist wichtig, dass sie gemäss ihrem Leistungsauftrag anwendungsorientierte Forschung & Entwicklung betrieben. Das bedeutet also, dass die Auseinandersetzung mit der Praxis hier eine zentrale Säule ist.

 

Wieso studieren weniger Frauen als Männer naturwissenschaftliche Fächer?

Für mich hat es damit zu tun, dass man Frauen zu früh einredet, dass Naturwissenschaften v.a. wegen der Mathematik nichts für sie sind. Das ist Unsinn. Naturwissenschaften wie z.B. Ingenieurswissenschaften oder Architektur sind hochgradig attraktiv und kreativ. Es ist einfach herrlich ein Gebäude, ein Produkt usw. zu entwickeln, zu designen das den Menschen etwas Positives vermittelt .