Wir vom VSS sind der Meinung, dass jede Stimme zählt und wollen auch Studierende dazu ermutigen, diesen Monat an die Urne zu gehen. Dabei ist uns wichtig, dass die Studierenden der Schweiz wissen, welche Politikerinnen und welche Politiker ihre Anliegen vertreten und wie die künftigen Parlamentarier zu den wichtigsten Bildungsfragen stehen.

Auf unserer Homepage findet ihr jeden Tag Interviews mit Kandidierenden verschiedener Parteien, die uns Rede und Antwort standen und sich zu den politischen Anliegen der Studierenden äussern.

 

Was halten Sie von Klimamassnahmen an Universitäten, wie beispielsweise eingeschränkte Freiheiten beim Fliegen?

Massnahmen zum Aufhalten der Klimakatastrophe müssen auf allen Ebenen getroffen werden. Deshalb begrüsse ich auch Einschränkungen beim Fliegen an Universitäten. Gleichzeitig ist klar, dass wir im Kampf gegen den Klimawandel nicht nur auf freiwillige Massnahmen von Privatpersonen und Institutionen setzen sollten, sondern auf politische Entscheidungen.

 

Wie soll Ihrer Meinung nach die Politik auf die Forderungen der Klimajugend eingehen?

Für mich ist klar: Der Klimawandel kann nur aufgehalten werden, wenn wir unsere Wirtschaftsweise ändern. Dazu gehört ein Verbot von Investitionen in fossile Unternehmen (der Schweizer Finanzplatz verursacht 22 Mal so viele Emissionen, wie in der Schweiz verursacht werden). Des weiteren braucht es eine Verkürzung der Arbeitszeit. Mit letzterer Massnahme stellen wir uns gegen das Dogma des unendlichen Wirtschaftswachstums und sorgen dafür, dass die Menschen stattdessen mehr Zeit haben für persönliche Beziehungen und unbezahlte Care Arbeit (z.B. Haus- und Betreuungsarbeit).

Schliesslich brauchen wir eine Demokratisierung der Wirtschaft. Solange, jene an den Hebeln der Wirtschaftlichen Macht, durch private Profite von der Ausbeutung der Umwelt profitieren, werden wir die Klimakrise nicht aufhalten können.

Als erste Schritte brauchen wir griffige Regeln zu Umweltstandards in der Produktion, ein Verbot von Inland- und Kurzstreckenflügen und ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

 

Wie kann das Rahmenabkommen gerettet werden, um die Zusammenarbeit mit der EU im Bereich der Bildung zu gewährleisten?

Das Rahmenabkommen, darf nicht abgeschlossen werden, solange der Lohnschutz nicht gewährleistet ist. Gleichzeitig müssen Massnahmen ergriffen werden, wie die Zusammenarbeit mit der EU in Bildungsfragen trotzdem gewährleistet werden kann. Wie genau verhandelt werden muss, kann ich allerdings nicht sagen, dies ist als aussenstehende Person kaum möglich.

 

Soll die Schweiz das nötige Geld bezahlen um Erasmus+ ab 2021 wieder beizutreten?

Die Schweiz soll das nötige Geld bezahlen, um Erasmus+ wieder beizutreten

 

Was halten Sie für eine angemessene Entschädigung für Praktikant*innen?

Ein Praktikumslohn muss reichen um zu Leben. Es kann nicht sein, dass die Voraussetzung für ein Praktikum nur durch Erspartes oder Unterstützung der Eltern möglich ist. Wichtig ist für mich vor allem, das Praktikant*innen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden, sondern Praktika wirklich nur dann angeboten werden, wenn bei der Stelle im Vordergrund steht, dass die Praktikant*in Einblick in ein bestimmtes Berufsfeld erhält und neue Fähigkeiten erlernen kann.

 

Was kann der Staat für günstigen Wohnraum für Studierende machen? Soll er sich überhaupt einmischen?

Der Staat muss sich unbedingt für günstigen Wohnraum für Studierende einsetzen. Eine Möglichkeit dazu ist staatlicher Wohnungsbau und das schaffen von gemeinnützigem Wohnraum (z.B. indem der Staat Land aufkauft und dieses anschliessend im Baurecht an gemeinnützige Wohnbauträger abgibt). Des weiteren braucht es eine strikte Kostenmiete und griffige Kontrollen, die sicherstellen, dass keine missbräuchlichen Mieten verlangt werden. Es kann nicht sein, dass mit überhöhten Mieten leistungsfreie Profite generiert werden.

 

Sollten Geflüchtete in der Schweiz die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Hochschulen haben wie Schweizer*innen?

Geflüchtete sollen die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Hochschulen wie Schweizer*innen. Des weiteren braucht es Massnahmen, die dafür sorgen, dass auch Ausbildungen im Ausland berücksichtigt werden bei Bildungsinstitutionen in der Schweiz.

 

Sind Sie der Meinung, dass ökonomisch profitable Studiengänge wie beispielsweise Wirtschaft oder Informatik eher vom Staat gefördert werden soll als Musik oder Literaturwissenschaften?

Bei der Förderung von Studiengängen darf es keine Rolle spielen, ob der Studiengang „ökonomisch profitabel“ ist. Bildung darf nicht nur das Ziel haben den Arbeitsmarkt zu beliefern.

 

Wieso studieren weniger Frauen als Männer naturwissenschaftliche Fächer?

Gesellschaftliche Geschlechterstereotype haben noch immer einen grossen Einfluss darauf, welche Studiengänge von Menschen gewählt werden und welche Berufe sich Studierende zutrauen. Um dies zu durchbrechen, braucht es eine bessere Sensibilisierung von Lehrpersonen und das Sichtbarmachen von weiblichen Vorbildern in den Naturwissenschaften.