Wir vom VSS sind der Meinung, dass jede Stimme zählt und wollen auch Studierende dazu ermutigen, diesen Monat an die Urne zu gehen. Dabei ist uns wichtig, dass die Studierenden der Schweiz wissen, welche Politikerinnen und welche Politiker ihre Anliegen vertreten und wie die künftigen Parlamentarier zu den wichtigsten Bildungsfragen stehen.

Auf unserer Homepage findet ihr jeden Tag Interviews mit Kandidierenden verschiedener Parteien, die uns Rede und Antwort standen und sich zu den politischen Anliegen der Studierenden äussern.

 

Was halten Sie von Klimamassnahmen an Universitäten, wie beispielsweise eingeschränkte Freiheiten beim Fliegen?

Der Kampf gegen die Klimakrise ist primär keine Aufgabe von Individuen, sondern von (politischen) Institutionen. Ich selbst setze mich für ein Verbot von Kurzstreckenflügen und den Aufbau von Alternativen (Nachtzüge bspw.) ein. Ich begrüsse, wenn die Universitäten diesen Weg ebenfalls einschlagen, bei Kurz- und Mittelstrecken auf den Zug und nach Möglichkeit auf Videokonferenzen setzen.

 

Wie soll Ihrer Meinung nach die Politik auf die Forderungen der Klimajugend eingehen?

Die Forderungen der Klimajugend sind absolut gerechtfertigt, ich unterstütze diese 100%. Als Politiker*innen müssen wir jetzt dazu beitragen, dass die Schweiz ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen wahrnimmt und sich gemäss 1.5 Grad-Ziel verhält. Aufgrund unserer historischen Verantwortung müssen wir aber weiter gehen und Netto Null bis 2030 anstreben (Climate Justice).

 

Wie kann das Rahmenabkommen gerettet werden, um die Zusammenarbeit mit der EU im Bereich der Bildung zu gewährleisten?

Zuerst müssen wir nun die Kündigungsinitiative bekämpfen, die gleich die ganzen Bilateralen abschaffen will. Die SP und die Gewerkschaften kämpfen an vorderster Front dagegen, weil damit die flankierenden Massnahmen (FlaM) zerstört und der Lohndruck erhöht, aber auch die Zusammenarbeit bei der Bildung und die Bewegungsfreiheit in Europa torpediert würden. Sowohl die FlaM als auch die Bildungszusammenarbeit (Mobilität, Anerkennung etc.) sind unverzichtbare Bestandteile eines freien und sozialen Europas.

 

Soll die Schweiz das nötige Geld bezahlen um Erasmus+ ab 2021 wieder beizutreten?

Ja, unbedingt. Erasmus+ ist ein extrem wichtiges Programm, ich selbst habe Kolleg*innen, die unter der unzureichenden Übergangslösung gelitten haben. Für den internationalen Austausch und die europäische Einigung ist es zwingend notwendig, dass die Schweiz beim Nachfolgeprogramm von Erasmus+ wieder dabei ist – besonders mehr Möglichkeiten für Lernende sind wichtig, um den Wert Europas in der breiten Bevölkerung sichtbarer zu machen.

 

Was halten Sie für eine angemessene Entschädigung für Praktikant*innen?

Das kommt stark auf die Branche an. Es ist wichtig, dass in den GAVs auch MIndestlöhne für Praktika festgehalten werden. Nicht alle können sich finanziell auf ihren Eltern abstützen. Darum sollte man auf jeden Fall vom Lohn leben können, allenfalls mit zusätzlicher Unterstützung.

 

Was kann der Staat für günstigen Wohnraum für Studierende machen? Soll er sich überhaupt einmischen?

Der Staat kann selbst Wohnraum bauen, Wohnungen subventionieren, via Mietrecht eingreifen oder genossenschaftlichen Wohnbau fördern. Ich bin der Ansicht, dass günstiger Wohnraum ein Grundrecht für alle Menschen ist, nicht nur für Studierende. Ich befürworte deshalb besonders die Föderung des genossenschaftlichen Wohnbaus mit deutlich tieferen Mieten, und staatlichen Wohnbau. Die Kapitalmärkte versagen dabei, bezahlbaren, ökologischen und platzsparenden Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

 

Sollten Geflüchtete in der Schweiz die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Hochschulen haben wie Schweizer*innen?

Selbstverständlich. Diskriminierung aufgrund des Passes müssen wir ganz grundsätzlich bekämpfen.

 

Sind Sie der Meinung, dass ökonomisch profitable Studiengänge wie beispielsweise Wirtschaft oder Informatik eher vom Staat gefördert werden soll als Musik oder Literaturwissenschaften?

Nein, dass wir gesellschaftliche Werte nur nach den Profitmöglichkeiten bewerten, ist genau das Problem. Musik, Literaturwissenschaften und ähnliches sind für die kulturelle Entfaltung unglaublich wichtig, zur Unterhaltung, aber auch zur Kritik an gesellschaftlichen Strukturen oder zur Inspiration in anderen Feldern. Gerade wenn wir eine ökologischere Gesellschaft schaffen wollen, werden Tätigkeiten wie Musik, Sport oder Literatur wieder wichtiger, da es sinnstiftende und zugleich CO2-sparsame Berufs- und Freizeittätigkeiten sind.

 

Wieso studieren weniger Frauen als Männer naturwissenschaftliche Fächer?

Mädchen wird oft schon sehr früh beigebracht, dass sie in Mathematik oder Physik schlechter sind als Jungen. Viele Probleme starten aber noch früher: Mädchen werden oft dazu gebracht, mit Puppen zu spielen statt mit Modelleisenbahnen, ihnen werden Prinzessinnen-Geschichten vorgelesen statt solche von Astronautinnen, und wenn ein Kinderbuch von einem verrückten Erfinder oder zerstreuten Wissenschaftler handelt, ist es fast immer ein Mann. Dass Frauen* später so kaum einen Zugang zu oder Interesse an Astrophysik, Chemie oder Ingenieurswissenschaften erhalten, erstaunt nicht. Wir müssen weibliche Vorbilder deshalb in den Vordergrund stellen und das Interesse von Mädchen an naturwissenschaftlichen Fragen stärken.