Wir vom VSS sind der Meinung, dass jede Stimme zählt und wollen auch Studierende dazu ermutigen, diesen Monat an die Urne zu gehen. Dabei ist uns wichtig, dass die Studierenden der Schweiz wissen, welche Politikerinnen und welche Politiker ihre Anliegen vertreten und wie die künftigen Parlamentarier zu den wichtigsten Bildungsfragen stehen.

Auf unserer Homepage findet ihr jeden Tag Interviews mit Kandidierenden verschiedener Parteien, die uns Rede und Antwort standen und sich zu den politischen Anliegen der Studierenden äussern.

 

Was halten Sie von Klimamassnahmen an Universitäten, wie beispielsweise eingeschränkte Freiheiten beim Fliegen?

Wir befürworten es generell, wenn unnötige Mobilität vermieden wird, insbesondere Mobilität mit hohem CO2-Ausstoss, setzen aber wenn immer möglich auf Anreize statt Vorschriften und Verbote. In einem ersten Schritt haben wir in der vergangenen Session die von uns eingereichte Flugticketabgabe im Nationalrat durchgebracht.

 

Wie soll Ihrer Meinung nach die Politik auf die Forderungen der Klimajugend eingehen?

Leider sind die Klimaproteste bitter nötig, denn es ist fünf vor zwölf für das Klima. Die junge Generation steht zu Recht für ihre Zukunft ein. Wir brauchen endlich eine nachhaltige, enkeltaugliche Klimapolitik. Wir möchten nicht nur das Klimaabkommen von Paris rasch und konsequent umsetzen, sondern ambitionierter sein. Denn für die Grünliberalen ist seit der Gründung klar, dass die Schweiz international die Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen muss. Unsere Strategie „Cool down 2040“ weist den Weg in die erneuerbare, nachhaltige Schweiz.

 

 Wie kann das Rahmenabkommen gerettet werden, um die Zusammenarbeit mit der EU im Bereich der Bildung zu gewährleisten?

Auf dem Tisch des Bundesrats liegt ein überzeugendes Rahmenabkommen. Es ist Zeit, dass er die Ratifizierung einleitet. Mit dem Rahmenabkommen können unsere Hochschulen weiter von europäischen Forschungsprogrammen profitieren und unsere Studierenden behalten den freien Zugang zu europäischen Universitäten. Wir setzen uns dafür ein, dass in der Schweiz nicht die Haltung überhandnimmt, ein Rahmenabkommen mit der Europäischen Union sei ein notwendiges Übel. Die Grünliberalen verlangen einen Chancendiskurs Europa. Wir wollen mehr Europa wagen.

 

Soll die Schweiz das nötige Geld bezahlen um Erasmus+ ab 2021 wieder beizutreten?

Ja. Die Grünliberalen stehen für eine offene und vernetzte Schweiz, auch im Bildungs- und Forschungsbereich.

 

Was halten Sie für eine angemessene Entschädigung für Praktikant*innen?

Praktikantinnen und Praktikanten leisten wertvolle Arbeit und verdienen eine faire Entlohnung. Diese sollte auf jeden Fall zur Deckung der Lebenshaltungskosten ausreichen.

 

Was kann der Staat für günstigen Wohnraum für Studierende machen? Soll er sich überhaupt einmischen?

Die Grünliberalen wollen, dass junge Menschen eine ihren Fähigkeiten entsprechende Ausbildung absolvieren können. Dazu gehört auch die Sicherstellung von erschwinglichem Wohnraum in der Nähe des Ausbildungsorts. Die Kantone, Städte und Universitäten haben Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, wobei wir auch hier im Grundsatz auf Anreize als auf Vorschriften und Verbote setzen. Bei den Stipendien ist es wichtig, dass sich die Höhe nach dem tatsächlichen Bedarf richtet.

 

Sollten Geflüchtete in der Schweiz die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Hochschulen haben wie Schweizer*innen?

Geflüchtete, die in der Schweiz Asyl erhalten, müssen selbstverständlich den gleichen Zugang zu Hochschulen haben. Die Grünliberalen stehen ein für Chancengerechtigkeit, unabhängig von sozialer und kultureller Herkunft.

 

 Sind Sie der Meinung, dass ökonomisch profitable Studiengänge wie beispielsweise Wirtschaft oder Informatik eher vom Staat gefördert werden soll als Musik oder Literaturwissenschaften?

Wir halten es für falsch, Studiengänge gegeneinander auszuspielen. Alle Fächer haben ihren spezifischen Wert und ihre Berechtigung und sind mit ausreichend Mitteln auszustatten. Denn der Bildung im umfassenden Sinne kommt in einer liberalen Gesellschaft eine zentrale Bedeutung zu. Vielmehr ist uns ein generell effizienter Umgang mit den knappen Ressourcen des Staates wichtig. Ausgaben sollen regelmässig kritisch überprüft werden. Kontrollmechanismen sollen die Qualität und das beste Kosten/Nutzen-Verhältnis sichern.

 

Wieso studieren weniger Frauen als Männer naturwissenschaftliche Fächer?

Das ist an sich keine Frage an eine politische Partei. Eine andere Frage wäre, ob die Politik etwas dafür tun kann, dass mehr Frauen sich für naturwissenschaftliche Fächer entscheiden. Frauen werden in unserer Gesellschaft nach wie vor diskriminiert, z.B. im Berufsleben (tiefere Löhne, Vergabe von Spitzenpositionen, falsche Anreize im Steuersystem) oder bei der Rente durch den unfairen Koordinationsabzug. Auch sind Frauen oft mit überholten Rollenbildern konfrontiert. Dies darf kein Hindernis für eine freie und selbststimme Wahl des Studiengangs sein. Wir wollen in einer pluralistischen Gesellschaft leben, in der Diskriminierung keinen Platz hat.